Samen blauer und pinker Trichterwinde

Der August neigt sich dem Ende entgegen. Viel zu schnell. Abends merkt man, dass es schon wieder früher dunkel wird. Eine Balkonblume war in diesem Sommer bisher sehr dankbar in ihrem Wachstum. Die Trichterwinde. Ich habe sie in blau und pink im Mai gesät und sie rankte sich innerhalb von rund zwei Monaten an einem Rankgitter empor und blühte ununterbrochen. Sogar jetzt, wo es schon wesentlich kälter als noch vor einem Monat ist, kommen immer noch neue Blüten. Gleichzeitig gibt es auch schon die ersten Samen, die ich heute Nachmittag auf meiner Fensterbank gesammelt habe. Sie sind hellbraun und dunkelbraun. Ich habe keine Ahnung, ob die pinken Blüten, die dunkleren Samen hervorbringen oder die helleren. Dies werde ich nächstes Frühjahr ausprobieren und mich überraschen lassen, bevor ich jetzt im Internet danach suche.

Die Trichterwinde ist eine einjährige Pflanze. Sie hat eine Wuchshöhe von rund 2,40 Metern und kann damit so einige Gartenzäune verschönern. Sie mag es sonnig und sollte regelmäßig gegossen werden. Die Trichterwinde ist auch als Prunk- oder Prachtwinde bekannt. Mir ist aufgefallen, dass die Blüten morgens bis frühen Nachmittag – je nach Temperatur – besonders schön blühen und bereits am Nachmittag oder frühen Abend schon wieder verblüht sind. Dieses Ereignis ist ein täglicher Blütenrhythmus. Eine Blüte hat also keine lange Überlebensdauer. Dafür gibt es sehr viele Blüten, die sich im Laufe des Sommers entwickeln.

Die Fruchtkapsel, die Samen und in geringem Maße auch die Stängel, die Blätter und die Blüten sind giftig. Werden diese Teile verzehrt, kann es zu starken Halluzinationen sowohl visuell als auch auditiv kommen. Bei kleinen Kindern und Haustieren bitte aufpassen!

Pinke und blaue Trichterwinden auf meinem Balkon.
Pinke und blaue Trichterwinden auf meinem Balkon.

 

 

 

Pink-rote Blüte der Trichterwinde.
Pink-rote Blüte der Trichterwinde.

 

Blaue Blüte der Trichterwinde.
Blaue Blüte der Trichterwinde.

 

Diese Prachtwinden benötigen unbedingt Rankhilfen, wie einen Gartenzaun, Rankgitter oder Pflanzenspaliere.
Diese Prachtwinden benötigen unbedingt Rankhilfen, wie einen Gartenzaun, Rankgitter oder Pflanzenspaliere.

 

Die Samenkapseln der Trichterwinde.
Die Samenkapseln der Trichterwinde.

 

Neue Triebe neben Samenkapseln. Die Trichterwinde blüht bis in den frühen Oktober.
Neue Triebe neben Samenkapseln. Die Trichterwinde blüht bis in den frühen Oktober.

 

Hellbraune und dunkelbraune Samen. Ich bin gespannt, welche Samen die blauen Blüten und welche Samen die pinken Blüten hervorbringen werden im nächsten Frühling.
Hellbraune und dunkelbraune Samen. Ich bin gespannt, welche Samen die blauen Blüten und welche Samen die pinken Blüten hervorbringen werden im nächsten Frühling.

Flowershots III

Ein paar blumige Eindrücke von mir für euch! Sanddorn und bunte Blumen auf dem Winterfeldtmarkt in Berlin-Schöneberg, Kornblumen auf meinem Balkon, Stockrosen, Hortensien in einer Vase in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg und ein Beet mit bunten Blumen am Rande des Dörfchens Nußdorf bei Stuttgart.

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Bronzefenchel – irgendwie edel!

Im Botanischen Garten in Berlin habe ich ihn entdeckt. Am frühen Abend kurz vor Sonnenuntergang. Den Bronzefenchel. Ein mattes Leuchten ging von seinen Blättern aus. Bisher kannte ich Fenchel nur von Fencheltee, den ich in meiner Kindheit oft trinken sollte, als ich Bauchschmerzen hatte. Und Fenchelhonig.

Bronzefenchel ist eine mehrjährige winterharte Pflanze, die einen sonnigen bis halbschattigen Standort bevorzugt. Sie kommt in Südeuropa bzw. Mittelmeerraum vor. Sie gehört zur Familie der Doldengewächse. Die Pflanze bevorzugt frische Böden, die nicht unbedingt austrocknen sollten. Je nach Standort und Temperatur ist sie regelmäßig zu gießen. Staunässe ist zu vermeiden. Daher ist ein gut aufgelockerter nährstoffreicher Humusboden vorteilhaft. Sie blüht von Juli bis September.

Bronzefenchel enthält die gleichen Inhaltsstoffe wie Fenchel: Ätherische Öle und auch Flavonide und andere Vitamine.Die Inhaltsstoffe wirken appetitanregend, krampflösend und verdauungsfördernd.

Fenchel – so auch Bronzefenchel – eignet sich nicht nur für Fencheltee, sondern auch für viele Dips und zum Würzen von Fisch, Fleisch und für Salate.

Der Bronzefenchel ist sehr dekorativ und wertet so manches heimische Kräuterbeet auf.
Der Bronzefenchel ist sehr dekorativ und wertet so manches heimische Kräuterbeet auf.
Im Botanischen Garten Berlin ist jede Pflanze mit einem kleinen Schild gekennzeichnet.
Im Botanischen Garten Berlin ist jede Pflanze mit einem kleinen Schild gekennzeichnet.
Im Botanischen Garten Berlin entdeckte ich im Juli den Bronzefenchel.
Im Botanischen Garten Berlin entdeckte ich im Juli den Bronzefenchel.

 

 

 

Urban Gardening – das himmelbeet – gemeinsam Gärtnern in Wedding

An einem Nachmittag Anfang August bin ich mit der U9 in den Berliner Stadtteil Wedding gefahren, am Leopoldplatz ausgestiegen und von dort – nicht einmal fünf Minuten entfernt – zur Ruheplatzstraße 12 gelaufen. Dort befindet sich das himmelbeet. Das himmelbeet ist ein so genannter interkultureller Gemeinschaftsgarten. Interkulturell bedeutet, dass hier Menschen unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft gemeinsam Gärtnern können. Dies soll vor allem die soziale Integration fördern und gleichzeitig Berührungsängste abbauen, die leider nach wie vor in unserer Gesellschaft vorhanden sind. Beim gemeinsamen interkulturellen Gärtnern im himmelbeet lernt man also nicht nur, selbst Gemüse und Kräuter anzubauen und zu ernten, sondern auch mit anderen Kulturen, Sitten, Gebräuchen und Gewohnheiten in Kontakt zu kommen und den gegenseitigen Respekt zu stärken. Im Vordergrund des urbanen Gärtnerns steht die Erzeugung von Nahrungsmitteln in der Stadt mit besonderem Schwerpunkt auf dem ökologischen Anbau regionaler und alter Kultursorten.

Das himmelbeet gibt es offiziell seit Juni 2013. Die Idee für diesen Gemeinschaftsgarten in Wedding kam Gründerin Hannah Lisa Linsmaier: „Ich sah das große Parkdeck des Schillergartencenters und habe sofort gedacht, ‚diese große Fläche wäre ideal für einen Urban Garden‘. Aber die Idee des Dachgartens musste ich aufgrund sehr kostspieliger Brandschutzmaßnahmen leider fallen lassen. Die Idee eines Stadtgartens ließ mich seitdem jedoch nicht mehr los. Und so begann die Suche nach einem geeigneten Grundstück für dieses Vorhaben.“

Das himmelbeet befindet sich zwar nicht auf einem Dach mit Blick über Wedding, erfüllt aber seinen Sinn und Zweck und ist innerhalb eines Jahres auf eine handvoll feste Mitarbeiter angewachsen. Daneben unterstützen Öko-BFD’ler, FÖJ’ler und viele ehrenamtliche Helfer das grüne Projekt.

Auch Leute wie Du und ich, also Privatpersonen, aber auch Institutionen haben die Möglichkeit, Beete für eine Saison zu pachten.

Das himmelbeet-Team bietet auch seine Unterstützung bei der Konzeption, der Planung und dem Aufbau sozialer urbaner Gärten an.

Außerdem gibt es tolle Workshops für Jung und Alt. Die Veranstaltungen und Workshops findet ihr hier: https://www.facebook.com/himmelbeet/events

Im August und Anfang September lädt das himmelbeet zum Gartendinner ein. Es findet jeden Samstag (16.08., 23.08., 30.08. und am 06.09.) statt. Es gibt ein vegetarisches 3-Gänge-Menü mit frischen Zutaten aus dem himmelbeet. Frischer geht’s nicht!

Ausführliche Infos gibt es unter: www.himmelbeet.com oder auf der facebook-Seite: https://www.facebook.com/himmelbeet

Hereinspaziert! Nur montags ist Ruhetag!
Hereinspaziert! Nur montags ist Ruhetag!
Es gibt Pachtbeete, die ihr für ein Jahr privat pachten und nutzen kann und einen Gemeinschaftsgarten, wo alle mithelfen können.
Es gibt Pachtbeete, die ihr für ein Jahr privat pachten und nutzen könnt und einen Gemeinschaftsgarten, wo alle mithelfen können.
Verkauf von Jungpflanzen, Getränken und eigener Ernte.
Verkauf von Jungpflanzen, Getränken und eigener Ernte.
Die Gießkannen stehen bereit.
Die Gießkannen stehen bereit.
Gemeinsames Gärtnern steht auch für interkulturellen Austausch in der Stadt.
Gemeinsames Gärtnern steht auch für interkulturellen Austausch in der Stadt.
Nachwuchs
Nachwuchs
Rotkohl und Mangold in einem Hochbeet.
Rotkohl und Mangold in einem Hochbeet.
Mangold
Mangold
Hier wächst auch die Jungfer im Grünen.
Hier wächst auch die Jungfer im Grünen.
Eine alte Gießkanne dient nun als Pflanzentopf.
Eine alte Gießkanne dient nun als Pflanzentopf.
Lampions sorgen abends für eine tolle Gartenatmosphäre.
Lampions sorgen abends für eine tolle Gartenatmosphäre.
Hier wächst Kapuzinerkresse.
Hier wächst Kapuzinerkresse.
Entspannungsmöglichkeiten zwischen Tomaten und Kräutern.
Entspannungsmöglichkeiten zwischen Tomaten und Kräutern.
Macht mit beim Bauen und Gärtnern und spielt stattdessen weniger auf eurem Smartphone rum!
Macht mit beim Bauen und Gärtnern und spielt stattdessen weniger auf eurem Smartphone rum!
Aus den Hochbeeten wächst und gedeiht es.
Aus den Hochbeeten wächst und gedeiht es.
himmelbeet Jutebeutel für 5 Euro.
himmelbeet Jutebeutel für 5 Euro.

Neue Serie „Durch die Blume“

In meiner Serie „Durch die Blume“ geht es um Menschen, die so sind, wie du und ich. Die die Möglichkeit nutzen, sich euch auf meinem Blog vorzustellen. Mithilfe von Blumen, die sie vors Gesicht halten, bleiben sie weitestgehend anonym. Dies erlaubt ihnen, in ihren Aussagen knallhart und geradeaus zu sein, ohne Angst haben zu müssen, jemanden damit zu verletzen oder gesellschaftlich (von Freunden oder Familie) ins Abseits zu geraten. Es sind ihre Meinungen, die sie „durch die Blume“ zulassen können. Damit werden Pflanzen von mir für diese Serie als Mittel zur freien Meinungsäußerung eingesetzt.

Meldet euch gern bei mir unter svdh.pr@gmail.com, wenn ihr euch auch gern im Rahmen dieser Serie von mir porträtieren lassen möchtet.

„Auf der Krim hat die Natur wirklich alles gegeben!“

Meine erste Interviewpartnerin ist Lisa* von der Krim. Wir verabredeten uns im Körnerpark in Neukölln Ende Juli dieses Jahres und unterhielten uns aus aktuellem Anlass überwiegend über die Lage auf der Krim und der Südost-Ukraine. Lisa ist 31 Jahre alt und Meisterin des Friseurhandwerks sowie gelernte Visagistin. Sie lebt seit 2003 in Berlin.

Lisa von der Krim mag bunte Blumen.
Lisa von der Krim mag bunte Blumen.

„Lisa, du lebst nun schon seit elf Jahren in Berlin. Warum bist du damals hierher gezogen?“

Lisa: „Meine Mutter hat bereits 1996 in Berlin einen neuen Mann kennengelernt und geheiratet. Sie lebt also schon etwas länger hier. Und ich bin dann nach meinem Schulabschluss nachgekommen, weil es auf der Krim für mich keine Perspektiven gab.“

„Und dein Vater ist dort geblieben?“

Lisa: „Ja, genau. Meine Eltern sind schon seit 1986 getrennt, da war ich erst drei. Mein Vater ist gebürtiger Armenier. Meine Mutter ist Russin. Ich bin also gebürtige Russin und Armenierin, habe aber die ukrainische Staatsbürgerschaft.“

„Was geht dir durch den Kopf, wenn du an deine Heimat denkst? An die Krim?“

„Es ist einfach schrecklich, was dort zurzeit passiert. Das ist wirklich eine sehr sehr traurige Geschichte. Was da abläuft ist einfach unfassbar und einfach nur verrückt. Die spielen dort mit dem Leben der Bevölkerung. Die erzählen was von Demokratie und von der europäischen Integration. Dass die nur Gutes wollen, aber es geht einfach nur bergab.“

„Mit „die“ meinst du damit die Ukraine?“

„Genau. Damit meine ich die ukrainische Regierung. Die sind doch völlig verrückt. Die verfolgen nur die eigenen Ziele. Denen ist es egal, wie viele Leute bei diesem Konflikt sterben. Das ist einfach so krass. Ich weiß nicht, wo es enden wird.“

„Das heißt, du bist eher Putin-Anhängerin?“

„Nein, auch nicht. Auch er hat den Menschen bereits viel Leid angetan. Ich weiß aber einfach nicht, was die Wahrheit ist. Denn leider wird in den Medien vieles falsch und oft einseitig dargestellt. Die Russen übertreiben, die Ukrainer übertreiben. Jede Seite verfolgt natürlich seine eigenen Ziele. Und Menschenleben sind einfach mal wieder nichts wert.“

„Hast du noch Freunde und Familie dort?“

„Ja.“

„Hast du noch regelmäßigen Kontakt zu ihnen?“

„Ja. Also wir kontaktieren uns über Facebook, auch über ein russisches soziales Netzwerk. Und Skype. Whatsapp und was auch immer.“

„Und was sagen deine Freunde zur aktuellen Situation? Was ist deren Einschätzung vor Ort?“

„Die haben wirklich große Hoffnungen, dass es ihnen bald besser gehen wird auf der Krim. Die Leute dort befanden bzw. befinden sich einfach in einer ganz furchtbaren Situation. Die hatten/haben einfach Angst um ihr Leben. Weil sie gesehen haben, was in Kiew passiert, was in der Südostukraine passiert. Die hatten einfach eine riesengroße Angst, dass bei ihnen Krieg beginnen würde. Und um das zu vermeiden und zu überleben, haben sie gesagt: ok, wir gehen zu Russland. Und uns geht es dadurch wahrscheinlich besser. Ja und weil auch sehr viele Russen dort leben. Die russischen Medien haben es ja so dargestellt, dass die ukrainische Regierung eine Nazipartei sei, die an die Macht gekommen ist. Das haben die sehr übertrieben präsentiert. So schlimm war das alles wahrscheinlich nicht, aber ein ganz großer Teil der armen Bevölkerung auf der Krim hat das geglaubt. Die Russen haben diese Situation ausgenutzt. Sie haben genau den wunden Punkt der dort Lebenden getroffen. Und damit haben sie dann natürlich gespielt. Die haben es den Leuten auf der Krim so dargestellt, dass sie unter einer Nazipartei leben müssten, wenn sie weiterhin unter der ukrainischen Regierung bleiben würden. Auf der Krim leben eben auch noch sehr viele Leute, die beim Zweiten Weltkrieg mit dabei gewesen sind. Den haben sie noch ganz stark in Erinnerung. Daher war es auf jeden Fall auch ein No-Go, sich von einer „Nazipartei“ regieren zu lassen.“

„Und was ist mit den jüngeren Leuten?“

„Die wissen ja auch aus der Schule, was damals beim Zweiten Weltkrieg geschehen ist. In der Ukraine wird die Geschichte jetzt völlig auf den Kopf dargestellt. Und die Russen werden gerade als die größten Feinde präsentiert. Sogar schlimmer als Hitler selbst. Dazu kommt, dass die wirtschaftliche Lage auf der Krim extrem marode ist. Es ging in den letzten Jahren einfach nur noch bergab mit der Ukraine. Eigentlich schon seitdem die Ukraine vor rund 20 Jahren unabhängig geworden ist. Der Krim geht es seitdem einfach nur schlecht. Kein Vergleich natürlich zur Hauptstadt. Genau wie in Russland. In Moskau leben nur die Reichen und Schönen. Na klar gibt es auch dort viele Arme, aber generell ist das Lebensniveau in den großen Städten höher als auf dem Land. Auch in Kiew ist das Lebensniveau recht hoch. Aber auf der Krim gab es kein Vorankommen. Da gab es gar keine Perspektiven. Es war einfach nur furchtbar. Ich weiß, dass der Mindestverdienst auf der Krim bei rund 150€ im Monat liegt. Das ist unerträglich. Das ist unzumutbar. Denn die Preise sind vergleichbar mit den Preisen in Berlin. Und die Leute auf der Krim wissen natürlich, dass das Lebensniveau in Russland schon höher ist. Und da wurde dann viel versprochen, dass es jetzt mit der russischen Regierung auf jeden Fall besser wird. Und deshalb ist die Hoffnung der Menschen so groß. Natürlich gab und gibt es auch einige, die prowestlich eingestellt sind, aber was haben diese Leute für eine Wahl? Auch sie leben nur einmal und möchten das Beste aus ihrem Leben machen können. In der Ukraine läuft gerade auch die Information, dass, wenn das mit den Separatisten in der Südostukraine erledigt ist, dann wolle man sich die Krim zurückholen. Dann kann alles erst so richtig eskalieren. Dann geht richtig die Post ab, weil dann Putin richtig aktiv wird.“

„Die Angst ist auf jeden Fall da. Aber keiner will Krieg!“

„Nein, überhaupt nicht. Und ich weiß auch gar nicht, wer damit begonnen hat. Ob der Auslöser die Sache auf dem Maidan gewesen ist. Angeblich sei zwischen den Ukrainern und Russen richtig Hass vorhanden gewesen. Aber das ist so nicht richtig. Es hat kein Hass in der Form, wie es in den Medien zum Teil berichtet wird, zwischen ihnen existiert. Es wurde nur völlig künstlich aufgebauscht und so dargestellt. Klar gibt es im Westen der Ukraine Leute, die die Russen nicht leiden können. Das war aber nur ein sehr geringer Prozentanteil der Bevölkerung. Und plötzlich haben sie es soweit geschafft, dass die Russen und Ukrainer sich jetzt hassen wie die Pest. Es ist einfach unfassbar. Ich verstehe es immer noch nicht, wie sowas eskalieren konnte. Zum Beispiel lese ich auf Facebook Kommentare, wie Ukrainer und Russen sich auf einmal gegenseitig beschimpfen. Die würden sich am liebsten umbringen. Das ist einfach abnormal.“

Auf der Suche nach der Wahrheit bedienen wir uns den Medien. Doch diese zeigen leider nur einen Ausschnitt der Realität oder wirken als Propagandamittel auch heutzutage immer noch manipulativ in vielen Gegenden der Welt.
„Auf der Suche nach der Wahrheit bedienen wir uns den Medien. Doch diese zeigen leider nur einen Ausschnitt der Realität oder wirken als Propagandamittel auch heutzutage immer noch manipulativ in vielen Gegenden der Welt.“

„Das ist einfach auch traurig.“

„Und es ist einfach immer wieder erschreckend, dass die Medien so eine Macht besitzen. Es kann jetzt wieder Jahrzehnte dauern, bis sich das alles wieder normalisiert hat. Es wird nicht von heute auf Morgen wieder alles Friede-Freude-Eierkuchen sein. Es ist einfach unfassbar.“

„Bevor dieser Konflikt auf der Krim zustande gekommen ist, hast du Deine Heimat vermisst? Oder vermisst du es jetzt? So wie es früher einmal gewesen ist?

„Nein, ich muss sagen, ich bin nicht wirklich heimatverbunden. Ich bin eher Kosmopolitin. Mir geht es überall ganz gut. Ich kann mich ganz gut an andere Gesellschaften anpassen. Ich bin, glaub ich, sehr flexibel (lacht). Vielleicht zu sehr.“

„Hast du deine Heimat nochmal besucht, seitdem du dort weg bist?“

„Ja. Auf jeden Fall. Ich besuche sie einmal im Jahr. Dann fliege ich zur Krim. Dort besuche ich meine Tante und ihre beiden süßen Kinder. Die besuche ich wirklich sehr gern. Und natürlich auch ein paar Schulfreunde, mit denen ich noch Kontakt habe. Und ich mag die Krim als Urlaubsort. Man kann dort im Sommer eine schöne Zeit verbringen. Die Natur hat dort wirklich alles gegeben. Die meiste Zeit des Jahres scheint dort die Sonne. Und es wird nicht wirklich kalt. Aber was die Infrastruktur angeht und die starke Korruption. Das ist einfach katastrophal. Und das ist auch ein Grund, warum ich dort weg bin. Ich wäre dort sonst nicht weiter gekommen. Ohne Bestechung geht nichts. Selbst in der Schule musste man die Lehrer bestechen, damit man gute Noten bekommt. Ich wollte gerne zur Uni gehen, aber ich hätte es dort finanziell nicht geschafft. Und nach dem Schulabschluss war mir klar, dass ich weg muss, um was aus meinem Leben zu machen. Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt bereits meine Mutter hier und ich hatte auch einen netten Mann hier in Berlin kennengelernt, der mir sehr schnell Deutsch beigebracht hat. Meiner Heimat habe ich leider nicht viel zu verdanken.“

„Und was ist mit den Leuten, die du dort kennst? Sagen die, dass sie dort weg wollen. Ins Ausland?“

„Erstaunlicherweise nicht. Ich habe sie das natürlich auch schon gefragt. Aber sie wollen dort bleiben und nicht „wegrennen“. Ich weiß auch nicht, was ich dort tun würde, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Ich meine, egal für welche Ideologie man steht, wenn es richtig Krieg dort geben sollte und ich würde durch diesen Krieg sterben, dann wüsste ich nicht einmal für was. Oder für wen. Und ich lebe nur einmal und dieses eine Leben möchte ich so gut verbringen, wie es eben nur geht.“

„Ich habe dir einen bunten Blumenstrauß für unsere Fotoaufnahmen mitgebracht, weil du mir geschrieben hast, dass du es gerne bunt magst. Hast Du eigentlich einen grünen Daumen und zuhause Pflanzen?“

„Ja, aber meine Mutter kümmert sich eher darum. Sie hat sogar unten bei uns im Hof Rosen eingepflanzt. Mittlerweile ist es sogar zu einem richtigen Wettbewerb ausgeartet. Welcher Nachbar die schönsten Blumen hat…“

„Vielen Dank für deine offenen Worte!“

*Anmerkung der Redaktion: Der Name der Interviewpartnerin wurde geändert.